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  3. Basiswissen

SMART-Werte im NAS: Welche Zahlen wirklich wichtig sind und was sie bedeuten

  • Willi
  • November 10, 2025 at 8:07 AM
  • 195 times read
Contents [hideshow]
  1. Was ist SMART überhaupt?
  2. Warum sind bestimmte SMART-Werte im NAS besonders wichtig?
  3. Wichtige SMART-Attribute für HDDs (Tabelle)
  4. Die wichtigsten SMART-IDs im NAS im Detail
    1. ID 5 – Reallocated Sectors Count
    2. ID 9 – Power-On Hours
    3. ID 187 – Reported Uncorrectable Errors
    4. ID 188 – Command Timeout
    5. ID 193 – Load/Unload Cycle Count
    6. ID 194 – Temperature Celsius
    7. ID 196 – Reallocation Event Count
    8. ID 197 – Current Pending Sector Count
    9. ID 198 – Offline Uncorrectable
    10. ID 199 – UDMA CRC Error Count
  5. SMART richtig einordnen – praktische Tipps fürs NAS

SMART-Werte sind im Prinzip ein kleiner Gesundheitscheck für Deine Festplatten.
Dein NAS liest diese Werte regelmäßig aus, um Probleme früh zu erkennen – aber: Sie sind kein perfektes Warnsystem, nur ein wichtiger Hinweisbaustein.

1. Was ist SMART überhaupt?

SMART steht für Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology.

Vereinfacht gesagt:

  • Deine Festplatte führt intern ein Protokoll über ihren Zustand.
  • Diese Protokollpunkte heißen SMART-Attribute oder SMART-Werte.
  • Jedes Attribut hat eine Nummer (ID), einen Namen und mehrere Werte:
    • einen aktuellen Zustandswert (meist 0–100 oder 0–200, je höher desto besser)
    • einen Schwellwert (Threshold) – wenn der erreicht/unterboten wird, ist es kritisch
    • einen Rohwert (Raw Value) – hier steht die „echte“ Zahl, z.B. die Anzahl defekter Sektoren (KLICK)

Wichtig für Dich:
SMART-Werte helfen, auffällige Platten zu erkennen (z.B. mit vielen Lesefehlern), aber große Studien (u.a. Google & Backblaze) zeigen: Viele Platten sterben trotzdem ohne vorher klar „schlechte“ SMART-Werte (KLICK)

Darum gilt immer:
👉 SMART ist wichtig, aber kein Ersatz für ein Backup!


2. Warum sind bestimmte SMART-Werte im NAS besonders wichtig?

Ein NAS läuft oft 24/7, und darauf liegen meist wichtige Daten. Gerade hier willst Du:

  • früh merken, wenn Sektoren kaputtgehen
  • Lesefehler und nicht korrigierbare Fehler sehen
  • erkennen, ob die Platte zu heiß wird
  • sehen, ob es Verbindungsprobleme (Kabel, Port) gibt

Große Anbieter mit vielen Festplatten, z.B. Backblaze, nutzen vor allem die IDs 5, 187, 188, 197, 198 zur Einschätzung von Ausfallrisiken (KLICK).


3. Wichtige SMART-Attribute für HDDs (Tabelle)

Wichtiger Hinweis vorweg:
Es gibt keinen komplett einheitlichen, weltweiten Standard für alle SMART-Attribute. Jeder Hersteller kann eigene Werte definieren oder vorhandene leicht anders nutzen (KLICK).

Die nachfolgende Tabelle zeigt Dir die häufigsten und wichtigsten Attribute bei klassischen SATA-HDDs, wie sie oft in NAS-Systemen stecken (Gelb hinterlegt = besonders relevant für Festplatten im NAS).

Tipp zur Nutzung:

  • In vielen NAS-Oberflächen (Ugreen, Synology, QNAP etc) kannst Du die SMART-Details pro Platte einsehen.
  • Die Namen können leicht abweichen, die IDs (z.B. 5, 197, 198) sind aber in der Regel gleich.
IDName (typisch)Kurzbeschreibung in einfacher SpracheWichtigkeit im NAS
1Read Error RateHäufigkeit von Lesefehlern des Laufwerks.mittel
2Throughput PerformanceAllgemeine Leistungsfähigkeit beim Lesen/Schreiben.niedrig
3Spin-Up TimeZeit, bis die Platte nach dem Einschalten auf Drehzahl ist.niedrig–mittel
4Start/Stop CountAnzahl der Start/Stop-Zyklen (Ein-/Ausschalten der Platte).mittel
5Reallocated Sectors CountAnzahl defekter Sektoren, die bereits auf Reservesektoren umgezogen wurden.SEHR WICHTIG
7Seek Error RateFehler beim Positionieren der Schreib-/Leseköpfe.mittel
8Seek Time PerformanceWie schnell findet der Kopf die richtige Position?niedrig
9Power-On HoursGesamte Betriebsstunden der Platte.wichtig
10Spin-Up Retry CountWie oft der Motor neu anlaufen musste, weil der erste Versuch scheiterte.mittel
11Calibration Retry CountNeujustierungen des Laufwerks, wenn die erste Kalibrierung nicht klappte.niedrig–mittel
12Power Cycle CountAnzahl Ein-/Ausschaltvorgänge der Platte.niedrig–mittel
184End-to-End ErrorDatenfehler innerhalb des Controllers (meist bei Server-/Enterprise-Platten).mittel–hoch
187Reported Uncorrectable ErrorsFehler, die selbst mit Fehlerkorrektur nicht repariert werden konnten.SEHR WICHTIG
188Command TimeoutBefehle, die wegen Zeitüberschreitung abgebrochen wurden.wichtig
190Airflow TemperatureTemperatur im Luftstrom / im Gehäuse (je nach Hersteller).wichtig
191G-Sense Error RateFehler durch Stöße oder starke Vibration.mittel
192Power-Off Retract CountWie oft der Kopf wegen Stromverlust in Parkposition musste.mittel
193Load/Unload Cycle CountWie oft die Köpfe geparkt und wieder geladen wurden.wichtig
194Temperature CelsiusAktuelle Temperatur der Festplatte (in °C).wichtig
196Reallocation Event CountAnzahl der Ereignisse, bei denen Sektoren umgezogen werden mussten.SEHR WICHTIG
197Current Pending Sector CountSektoren, die Probleme machen und zur Neuvergabe „vorgemerkt“ sind.SEHR WICHTIG
198Offline UncorrectableFehlerhafte Sektoren, die auch in Hintergrundtests nicht gelesen werden konnten.SEHR WICHTIG
199UDMA CRC Error CountÜbertragungsfehler zwischen Platte und Controller (oft Kabelproblem).wichtig
200Multi-Zone Error RateSchreibfehler in verschiedenen Regionen der Platte.mittel
201Soft Read Error RateLesefehler, die (meist) noch korrigiert werden konnten.mittel
225 / 241 / 242Load/Unload / LBA written/readVerschleiß / insgesamt geschriebene bzw. gelesene Datenmenge (häufig bei SSDs und manchen HDDs).wichtig bei SSD-Cache

Die genaue Benennung kann je nach Hersteller leicht variieren, die IDs sind aber das Entscheidende.

4. Die wichtigsten SMART-IDs im NAS im Detail

Jetzt gehen wir die farbig hervorgehobenen IDs einzeln durch – in Alltagssprache ;).

ID 5 – Reallocated Sectors Count

Was bedeutet das?
Die Festplatte hat Bereiche (Sektoren), die sich nicht mehr zuverlässig lesen/schreiben lassen. Diese werden intern durch Reservesektoren ersetzt. ID 5 zählt, wie viele Sektoren bereits umgezogen wurden (KLICK).

Was ist normal?

  • Eine neue oder gesunde Platte hat hier meist 0.
  • Einzelne Sektoren können mal vorkommen – das ist nicht sofort ein Drama.
  • Wenn der Wert steigt (z.B. von 2 → 10 → 30), ist das ein klares Alarmsignal:
    Die Oberfläche verschlechtert sich.

Im NAS besonders kritisch, weil…

  • Dein NAS liest ständig Daten (Backups, Streams, VMs, Datenbanken).
  • Wenn immer mehr Sektoren kaputt gehen, steigt die Chance, dass ein RAID-Rebuild scheitert oder Daten verloren gehen.

Was solltest Du tun?

  • Spätestens bei einem deutlich steigenden Wert:
    • sofort Backup prüfen/erstellen
    • Ersatzplatte besorgen
    • Platte so bald wie möglich aus dem NAS entfernen.

ID 9 – Power-On Hours

Was bedeutet das?
Hier siehst Du in der Regel die Gesamtbetriebsstunden der Festplatte (KLICK).

Warum ist das wichtig?

  • Wie beim Auto-Kilometerstand: Viele Stunden = höheres Risiko für Verschleiß.
  • Consumer-HDDs (Desktop-Platten) sind oft nur für wenige Jahre Dauerbetrieb ausgelegt, Enterprise-Platten für deutlich mehr.

Im NAS-Alltag

  • Du kannst ungefähr abschätzen, ob eine Platte „ihr Leben gelebt hat“ (z.B. > 40.000–60.000 h).
  • Gute Praxis: alte Platten rechtzeitig tauschen, bevor sie „auf der letzten Rille“ laufen – besonders in produktiven NAS-Systemen.

ID 187 – Reported Uncorrectable Errors

Was bedeutet das?
Hier zählt die Platte Fehler, die selbst mit ihrer internen Fehlerkorrektur (ECC) nicht mehr repariert werden konnten (KLICK).

Warum ist das ernst?

  • Wenn ein Sektor so beschädigt ist, dass er nicht mehr korrekt gelesen werden kann, fehlen Daten.
  • Backblaze und andere Betreiber sehen bei Platten mit Werten > 0 bei 187 ein deutlich erhöhtes Ausfallrisiko (KLICK).

Im NAS…

  • Solche Fehler können dazu führen, dass Dateien beschädigt sind (korrupt) oder ein RAID-Verbund beim Rebuild Probleme bekommt.
  • Schon wenige unkorrektierbare Fehler sind ein Grund für erhöhte Aufmerksamkeit.

Was tun?

  • Datenintegrität prüfen (z.B. Dateisystem-Check, Scrubbing, Prüfsummen).
  • Backup prüfen – wenn ok, Platte planmäßig tauschen.

ID 188 – Command Timeout

Was bedeutet das?
Diese Zahl steigt, wenn Befehle an die Festplatte zu lange dauern oder abgebrochen werden (KLICK).

Das kann bedeuten:

  • Die Platte arbeitet intern extrem lange an einem Problem (z.B. schlechten Sektoren).
  • Oder es gibt Strom-/Controllerprobleme.

Im NAS kritisch, weil…

  • Dein NAS erwartet von der Platte recht zeitnah eine Antwort.
  • Hängt eine Platte zu lange, kann der RAID-Controller sie als „ausgefallen“ markieren.

Was tun?

  • Wenn ID 188 > 0 und vor allem wächst:
    • SMART-Gesamtbild anschauen (5, 197, 198)
    • ggf. Kabel/Stromversorgung prüfen
    • wenn andere Werte auch schlecht aussehen → Platte tauschen.

ID 193 – Load/Unload Cycle Count

Was bedeutet das?
Diese ID zählt, wie oft die Köpfe der Festplatte:

  • in die Parkposition gefahren wurden und
  • wieder in die Datenzone zurückkamen (KLICK).

Manche Platten parken die Köpfe sehr aggressiv, um Strom zu sparen.

Worauf solltest Du achten?

  • Hersteller geben oft einen Bereich an (z.B. 300.000 Zyklen).
  • Wenn dieser Wert extrem schnell hochläuft (z.B. tausende Zyklen pro Tag), kann das auf eine ungünstige Energiespareinstellung hinweisen.

Im NAS:

  • Zu häufiges Parken/Entparken bedeutet mechanische Belastung.
  • Besser: Energiespar- und Standby-Einstellungen so wählen, dass Platten im NAS nicht alle paar Sekunden an-/abfahren.

ID 194 – Temperature Celsius

Was bedeutet das?
Die aktuelle Temperatur der Festplatte in Grad Celsius, oft direkt im Rohwert oder über Umrechnung (KLICK).

Was ist gut, was schlecht?

  • Viele Hersteller empfehlen: ca. 30–40 °C als Normalbereich.
  • Dauerhaft über 50–55 °C gilt eher als zu warm.
  • SSD-Hersteller setzen häufig 70 °C als absolute Obergrenze – bei HDDs ist man meist vorsichtiger.

Im NAS:

  • Schlechte Belüftung, Staub, viele eng gepackte Platten → Temperatur steigt.
  • Hohe Temperaturen beschleunigen Verschleiß und können die Ausfallrate erhöhen.

Was tun bei hohen Temperaturen?

  • Gehäuse reinigen, Luftwege freimachen.
  • Lüfter prüfen, ggf. höhere Drehzahl einstellen.
  • Festplatten nicht direkt an Wärmequellen (Heizkörper, geschlossene Schränke ohne Luftaustausch).

ID 196 – Reallocation Event Count

Was bedeutet das?
Dieser Wert zählt Ereignisse, bei denen die Platte versucht hat, einen Sektor neu zuzuordnen – egal, ob es geklappt hat oder nicht (KLICK).

Unterschied zu ID 5:

  • ID 5 = wie viele Sektoren bereits erfolgreich ersetzt wurden
  • ID 196 = wie viele Neu-Zuordnungs-Versuche insgesamt es gab

Wenn 196 steigt, auch wenn 5 noch nicht hoch ist, deutet das ebenfalls auf Probleme mit der Oberfläche hin.

Im NAS:

  • Ein steigender 196-Wert zusammen mit 5, 197, 198 ist ein klares Zeichen:
    👉 Platte genau beobachten und auf Austausch vorbereiten.

ID 197 – Current Pending Sector Count

Was bedeutet das?
Hier werden „unsichere“ Sektoren gezählt, die beim Lesen Fehler verursacht haben und vorerst auf der Abschussliste stehen (KLICK).

  • Wenn ein solcher Sektor später doch erfolgreich gelesen oder überschrieben werden kann, kann er wieder „entlastet“ werden.
  • Bleibt er problematisch, wird er beim nächsten erfolgreichen Schreibvorgang durch einen Reservesektor ersetzt → dann steigt ID 5.

Warum extrem wichtig im NAS?

  • Solche Sektoren können genau dann Probleme machen, wenn Dein NAS einen RAID-Rebuild macht – also die denkbar blödeste Zeit.
  • Schon wenige Pending Sectors sind ein Warnsignal, insbesondere wenn:
    • die Zahl > 0 bleibt oder
    • weiter ansteigt.

Was tun?

  • Dringend Backup prüfen.
  • Platte in den kommenden Tagen/Wochen tauschen – je nach Nutzung sogar sofort, vor allem bei wichtigen Daten.

ID 198 – Offline Uncorrectable

Was bedeutet das?
Dieser Wert zählt Sektoren, die in Hintergrundtests (Offline-Tests) nicht fehlerfrei gelesen werden konnten (KLICK).

Unterschied zu 187/197:

  • 187 = allgemein unkorrektierbare Fehler, die gemeldet wurden
  • 197 = problematische Sektoren, die erst einmal „pending“ sind
  • 198 = Sektoren, die auch bei internen Tests nicht mehr lesbar sind

Studien zeigen, dass Platten mit hohen Werten bei 197/198 ein deutlich erhöhtes Ausfallrisiko haben (KLICK).

Im NAS:

  • Hohe 198-Werte → sehr ernste Warnung.
  • Diese Platte würde ich in einem produktiven NAS in der Regel nicht mehr vertrauen.

ID 199 – UDMA CRC Error Count

Was bedeutet das?
Dieser Wert zählt Fehler bei der Datenübertragung zwischen Festplatte und Controller - SATA-Kabel, SATA-Port (KLICK).

Wichtig:
Das heißt nicht automatisch, dass die Platte selber defekt ist. Sehr oft ist das Problem:

  • ein schlechtes/locker sitzendes SATA-Kabel
  • ein beschädigter Stecker
  • ein wackliger Port

Im NAS:

  • Wenn der Wert plötzlich stark steigt:
    • NAS herunterfahren
    • SATA-Kabel an der betroffenen Platte tauschen
    • Stecker sauber, fest und eventuell anderen Port testen
  • Bleibt der Wert anschließend stabil, war es wohl nur ein Kabelproblem.
  • Steigt er weiter, kann es doch auf einen Controller- oder Plattendefekt hindeuten.

5. SMART richtig einordnen – praktische Tipps fürs NAS

Zum Abschluss noch ein paar ganz praktische Hinweise:

  1. SMART regelmäßig prüfen
    • Viele NAS-Systeme können automatische SMART-Tests (Kurz- und Langtests) und Mail-/App-Benachrichtigungen einrichten.
  2. Auf Trends achten, nicht nur auf „OK/Fehler“
    • Eine Platte kann noch „OK“ melden, obwohl 5, 197 oder 198 langsam steigen.
  3. Hohe Werte bei 5, 187, 188, 196, 197, 198 = Alarmstufe
    • Mindestens Backup checken, meist: Platte bald austauschen.
  4. Temperatur im Blick behalten (ID 194)
    • Ideal: grob 30–40 °C, dauerhaft > 50 °C vermeiden.
  5. SMART ist nur ein Werkzeug
    • Auch eine Platte mit „schönen“ SMART-Werten kann plötzlich sterben – deshalb:
    • 👉 immer ein aktuelles Backup haben, vor allem bei einem NAS.

Tipp:
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