
- Was ist SMART überhaupt?
- Warum sind bestimmte SMART-Werte im NAS besonders wichtig?
- Wichtige SMART-Attribute für HDDs (Tabelle)
-
Die wichtigsten SMART-IDs im NAS im Detail
- ID 5 – Reallocated Sectors Count
- ID 9 – Power-On Hours
- ID 187 – Reported Uncorrectable Errors
- ID 188 – Command Timeout
- ID 193 – Load/Unload Cycle Count
- ID 194 – Temperature Celsius
- ID 196 – Reallocation Event Count
- ID 197 – Current Pending Sector Count
- ID 198 – Offline Uncorrectable
- ID 199 – UDMA CRC Error Count
- SMART richtig einordnen – praktische Tipps fürs NAS
SMART-Werte sind im Prinzip ein kleiner Gesundheitscheck für Deine Festplatten.
Dein NAS liest diese Werte regelmäßig aus, um Probleme früh zu erkennen – aber: Sie sind kein perfektes Warnsystem, nur ein wichtiger Hinweisbaustein.
1. Was ist SMART überhaupt?
SMART steht für Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology.
Vereinfacht gesagt:
- Deine Festplatte führt intern ein Protokoll über ihren Zustand.
- Diese Protokollpunkte heißen SMART-Attribute oder SMART-Werte.
- Jedes Attribut hat eine Nummer (ID), einen Namen und mehrere Werte:
- einen aktuellen Zustandswert (meist 0–100 oder 0–200, je höher desto besser)
- einen Schwellwert (Threshold) – wenn der erreicht/unterboten wird, ist es kritisch
- einen Rohwert (Raw Value) – hier steht die „echte“ Zahl, z.B. die Anzahl defekter Sektoren (KLICK)
Wichtig für Dich:
SMART-Werte helfen, auffällige Platten zu erkennen (z.B. mit vielen Lesefehlern), aber große Studien (u.a. Google & Backblaze) zeigen: Viele Platten sterben trotzdem ohne vorher klar „schlechte“ SMART-Werte (KLICK)
Darum gilt immer:
👉 SMART ist wichtig, aber kein Ersatz für ein Backup!
2. Warum sind bestimmte SMART-Werte im NAS besonders wichtig?
Ein NAS läuft oft 24/7, und darauf liegen meist wichtige Daten. Gerade hier willst Du:
- früh merken, wenn Sektoren kaputtgehen
- Lesefehler und nicht korrigierbare Fehler sehen
- erkennen, ob die Platte zu heiß wird
- sehen, ob es Verbindungsprobleme (Kabel, Port) gibt
Große Anbieter mit vielen Festplatten, z.B. Backblaze, nutzen vor allem die IDs 5, 187, 188, 197, 198 zur Einschätzung von Ausfallrisiken (KLICK).
3. Wichtige SMART-Attribute für HDDs (Tabelle)
Wichtiger Hinweis vorweg:
Es gibt keinen komplett einheitlichen, weltweiten Standard für alle SMART-Attribute. Jeder Hersteller kann eigene Werte definieren oder vorhandene leicht anders nutzen (KLICK).
Die nachfolgende Tabelle zeigt Dir die häufigsten und wichtigsten Attribute bei klassischen SATA-HDDs, wie sie oft in NAS-Systemen stecken (Gelb hinterlegt = besonders relevant für Festplatten im NAS).
Tipp zur Nutzung:
- In vielen NAS-Oberflächen (Ugreen, Synology, QNAP etc) kannst Du die SMART-Details pro Platte einsehen.
- Die Namen können leicht abweichen, die IDs (z.B. 5, 197, 198) sind aber in der Regel gleich.
| ID | Name (typisch) | Kurzbeschreibung in einfacher Sprache | Wichtigkeit im NAS |
|---|---|---|---|
| 1 | Read Error Rate | Häufigkeit von Lesefehlern des Laufwerks. | mittel |
| 2 | Throughput Performance | Allgemeine Leistungsfähigkeit beim Lesen/Schreiben. | niedrig |
| 3 | Spin-Up Time | Zeit, bis die Platte nach dem Einschalten auf Drehzahl ist. | niedrig–mittel |
| 4 | Start/Stop Count | Anzahl der Start/Stop-Zyklen (Ein-/Ausschalten der Platte). | mittel |
| 5 | Reallocated Sectors Count | Anzahl defekter Sektoren, die bereits auf Reservesektoren umgezogen wurden. | SEHR WICHTIG |
| 7 | Seek Error Rate | Fehler beim Positionieren der Schreib-/Leseköpfe. | mittel |
| 8 | Seek Time Performance | Wie schnell findet der Kopf die richtige Position? | niedrig |
| 9 | Power-On Hours | Gesamte Betriebsstunden der Platte. | wichtig |
| 10 | Spin-Up Retry Count | Wie oft der Motor neu anlaufen musste, weil der erste Versuch scheiterte. | mittel |
| 11 | Calibration Retry Count | Neujustierungen des Laufwerks, wenn die erste Kalibrierung nicht klappte. | niedrig–mittel |
| 12 | Power Cycle Count | Anzahl Ein-/Ausschaltvorgänge der Platte. | niedrig–mittel |
| 184 | End-to-End Error | Datenfehler innerhalb des Controllers (meist bei Server-/Enterprise-Platten). | mittel–hoch |
| 187 | Reported Uncorrectable Errors | Fehler, die selbst mit Fehlerkorrektur nicht repariert werden konnten. | SEHR WICHTIG |
| 188 | Command Timeout | Befehle, die wegen Zeitüberschreitung abgebrochen wurden. | wichtig |
| 190 | Airflow Temperature | Temperatur im Luftstrom / im Gehäuse (je nach Hersteller). | wichtig |
| 191 | G-Sense Error Rate | Fehler durch Stöße oder starke Vibration. | mittel |
| 192 | Power-Off Retract Count | Wie oft der Kopf wegen Stromverlust in Parkposition musste. | mittel |
| 193 | Load/Unload Cycle Count | Wie oft die Köpfe geparkt und wieder geladen wurden. | wichtig |
| 194 | Temperature Celsius | Aktuelle Temperatur der Festplatte (in °C). | wichtig |
| 196 | Reallocation Event Count | Anzahl der Ereignisse, bei denen Sektoren umgezogen werden mussten. | SEHR WICHTIG |
| 197 | Current Pending Sector Count | Sektoren, die Probleme machen und zur Neuvergabe „vorgemerkt“ sind. | SEHR WICHTIG |
| 198 | Offline Uncorrectable | Fehlerhafte Sektoren, die auch in Hintergrundtests nicht gelesen werden konnten. | SEHR WICHTIG |
| 199 | UDMA CRC Error Count | Übertragungsfehler zwischen Platte und Controller (oft Kabelproblem). | wichtig |
| 200 | Multi-Zone Error Rate | Schreibfehler in verschiedenen Regionen der Platte. | mittel |
| 201 | Soft Read Error Rate | Lesefehler, die (meist) noch korrigiert werden konnten. | mittel |
| 225 / 241 / 242 | Load/Unload / LBA written/read | Verschleiß / insgesamt geschriebene bzw. gelesene Datenmenge (häufig bei SSDs und manchen HDDs). | wichtig bei SSD-Cache |
Die genaue Benennung kann je nach Hersteller leicht variieren, die IDs sind aber das Entscheidende.
4. Die wichtigsten SMART-IDs im NAS im Detail
Jetzt gehen wir die farbig hervorgehobenen IDs einzeln durch – in Alltagssprache
.
ID 5 – Reallocated Sectors Count
Was bedeutet das?
Die Festplatte hat Bereiche (Sektoren), die sich nicht mehr zuverlässig lesen/schreiben lassen. Diese werden intern durch Reservesektoren ersetzt. ID 5 zählt, wie viele Sektoren bereits umgezogen wurden (KLICK).
Was ist normal?
- Eine neue oder gesunde Platte hat hier meist 0.
- Einzelne Sektoren können mal vorkommen – das ist nicht sofort ein Drama.
- Wenn der Wert steigt (z.B. von 2 → 10 → 30), ist das ein klares Alarmsignal:
Die Oberfläche verschlechtert sich.
Im NAS besonders kritisch, weil…
- Dein NAS liest ständig Daten (Backups, Streams, VMs, Datenbanken).
- Wenn immer mehr Sektoren kaputt gehen, steigt die Chance, dass ein RAID-Rebuild scheitert oder Daten verloren gehen.
Was solltest Du tun?
- Spätestens bei einem deutlich steigenden Wert:
- sofort Backup prüfen/erstellen
- Ersatzplatte besorgen
- Platte so bald wie möglich aus dem NAS entfernen.
ID 9 – Power-On Hours
Was bedeutet das?
Hier siehst Du in der Regel die Gesamtbetriebsstunden der Festplatte (KLICK).
Warum ist das wichtig?
- Wie beim Auto-Kilometerstand: Viele Stunden = höheres Risiko für Verschleiß.
- Consumer-HDDs (Desktop-Platten) sind oft nur für wenige Jahre Dauerbetrieb ausgelegt, Enterprise-Platten für deutlich mehr.
Im NAS-Alltag
- Du kannst ungefähr abschätzen, ob eine Platte „ihr Leben gelebt hat“ (z.B. > 40.000–60.000 h).
- Gute Praxis: alte Platten rechtzeitig tauschen, bevor sie „auf der letzten Rille“ laufen – besonders in produktiven NAS-Systemen.
ID 187 – Reported Uncorrectable Errors
Was bedeutet das?
Hier zählt die Platte Fehler, die selbst mit ihrer internen Fehlerkorrektur (ECC) nicht mehr repariert werden konnten (KLICK).
Warum ist das ernst?
- Wenn ein Sektor so beschädigt ist, dass er nicht mehr korrekt gelesen werden kann, fehlen Daten.
- Backblaze und andere Betreiber sehen bei Platten mit Werten > 0 bei 187 ein deutlich erhöhtes Ausfallrisiko (KLICK).
Im NAS…
- Solche Fehler können dazu führen, dass Dateien beschädigt sind (korrupt) oder ein RAID-Verbund beim Rebuild Probleme bekommt.
- Schon wenige unkorrektierbare Fehler sind ein Grund für erhöhte Aufmerksamkeit.
Was tun?
- Datenintegrität prüfen (z.B. Dateisystem-Check, Scrubbing, Prüfsummen).
- Backup prüfen – wenn ok, Platte planmäßig tauschen.
ID 188 – Command Timeout
Was bedeutet das?
Diese Zahl steigt, wenn Befehle an die Festplatte zu lange dauern oder abgebrochen werden (KLICK).
Das kann bedeuten:
- Die Platte arbeitet intern extrem lange an einem Problem (z.B. schlechten Sektoren).
- Oder es gibt Strom-/Controllerprobleme.
Im NAS kritisch, weil…
- Dein NAS erwartet von der Platte recht zeitnah eine Antwort.
- Hängt eine Platte zu lange, kann der RAID-Controller sie als „ausgefallen“ markieren.
Was tun?
- Wenn ID 188 > 0 und vor allem wächst:
- SMART-Gesamtbild anschauen (5, 197, 198)
- ggf. Kabel/Stromversorgung prüfen
- wenn andere Werte auch schlecht aussehen → Platte tauschen.
ID 193 – Load/Unload Cycle Count
Was bedeutet das?
Diese ID zählt, wie oft die Köpfe der Festplatte:
- in die Parkposition gefahren wurden und
- wieder in die Datenzone zurückkamen (KLICK).
Manche Platten parken die Köpfe sehr aggressiv, um Strom zu sparen.
Worauf solltest Du achten?
- Hersteller geben oft einen Bereich an (z.B. 300.000 Zyklen).
- Wenn dieser Wert extrem schnell hochläuft (z.B. tausende Zyklen pro Tag), kann das auf eine ungünstige Energiespareinstellung hinweisen.
Im NAS:
- Zu häufiges Parken/Entparken bedeutet mechanische Belastung.
- Besser: Energiespar- und Standby-Einstellungen so wählen, dass Platten im NAS nicht alle paar Sekunden an-/abfahren.
ID 194 – Temperature Celsius
Was bedeutet das?
Die aktuelle Temperatur der Festplatte in Grad Celsius, oft direkt im Rohwert oder über Umrechnung (KLICK).
Was ist gut, was schlecht?
- Viele Hersteller empfehlen: ca. 30–40 °C als Normalbereich.
- Dauerhaft über 50–55 °C gilt eher als zu warm.
- SSD-Hersteller setzen häufig 70 °C als absolute Obergrenze – bei HDDs ist man meist vorsichtiger.
Im NAS:
- Schlechte Belüftung, Staub, viele eng gepackte Platten → Temperatur steigt.
- Hohe Temperaturen beschleunigen Verschleiß und können die Ausfallrate erhöhen.
Was tun bei hohen Temperaturen?
- Gehäuse reinigen, Luftwege freimachen.
- Lüfter prüfen, ggf. höhere Drehzahl einstellen.
- Festplatten nicht direkt an Wärmequellen (Heizkörper, geschlossene Schränke ohne Luftaustausch).
ID 196 – Reallocation Event Count
Was bedeutet das?
Dieser Wert zählt Ereignisse, bei denen die Platte versucht hat, einen Sektor neu zuzuordnen – egal, ob es geklappt hat oder nicht (KLICK).
Unterschied zu ID 5:
- ID 5 = wie viele Sektoren bereits erfolgreich ersetzt wurden
- ID 196 = wie viele Neu-Zuordnungs-Versuche insgesamt es gab
Wenn 196 steigt, auch wenn 5 noch nicht hoch ist, deutet das ebenfalls auf Probleme mit der Oberfläche hin.
Im NAS:
- Ein steigender 196-Wert zusammen mit 5, 197, 198 ist ein klares Zeichen:
👉 Platte genau beobachten und auf Austausch vorbereiten.
ID 197 – Current Pending Sector Count
Was bedeutet das?
Hier werden „unsichere“ Sektoren gezählt, die beim Lesen Fehler verursacht haben und vorerst auf der Abschussliste stehen (KLICK).
- Wenn ein solcher Sektor später doch erfolgreich gelesen oder überschrieben werden kann, kann er wieder „entlastet“ werden.
- Bleibt er problematisch, wird er beim nächsten erfolgreichen Schreibvorgang durch einen Reservesektor ersetzt → dann steigt ID 5.
Warum extrem wichtig im NAS?
- Solche Sektoren können genau dann Probleme machen, wenn Dein NAS einen RAID-Rebuild macht – also die denkbar blödeste Zeit.
- Schon wenige Pending Sectors sind ein Warnsignal, insbesondere wenn:
- die Zahl > 0 bleibt oder
- weiter ansteigt.
Was tun?
- Dringend Backup prüfen.
- Platte in den kommenden Tagen/Wochen tauschen – je nach Nutzung sogar sofort, vor allem bei wichtigen Daten.
ID 198 – Offline Uncorrectable
Was bedeutet das?
Dieser Wert zählt Sektoren, die in Hintergrundtests (Offline-Tests) nicht fehlerfrei gelesen werden konnten (KLICK).
Unterschied zu 187/197:
- 187 = allgemein unkorrektierbare Fehler, die gemeldet wurden
- 197 = problematische Sektoren, die erst einmal „pending“ sind
- 198 = Sektoren, die auch bei internen Tests nicht mehr lesbar sind
Studien zeigen, dass Platten mit hohen Werten bei 197/198 ein deutlich erhöhtes Ausfallrisiko haben (KLICK).
Im NAS:
- Hohe 198-Werte → sehr ernste Warnung.
- Diese Platte würde ich in einem produktiven NAS in der Regel nicht mehr vertrauen.
ID 199 – UDMA CRC Error Count
Was bedeutet das?
Dieser Wert zählt Fehler bei der Datenübertragung zwischen Festplatte und Controller - SATA-Kabel, SATA-Port (KLICK).
Wichtig:
Das heißt nicht automatisch, dass die Platte selber defekt ist. Sehr oft ist das Problem:
- ein schlechtes/locker sitzendes SATA-Kabel
- ein beschädigter Stecker
- ein wackliger Port
Im NAS:
- Wenn der Wert plötzlich stark steigt:
- NAS herunterfahren
- SATA-Kabel an der betroffenen Platte tauschen
- Stecker sauber, fest und eventuell anderen Port testen
- Bleibt der Wert anschließend stabil, war es wohl nur ein Kabelproblem.
- Steigt er weiter, kann es doch auf einen Controller- oder Plattendefekt hindeuten.
5. SMART richtig einordnen – praktische Tipps fürs NAS
Zum Abschluss noch ein paar ganz praktische Hinweise:
- SMART regelmäßig prüfen
- Viele NAS-Systeme können automatische SMART-Tests (Kurz- und Langtests) und Mail-/App-Benachrichtigungen einrichten.
- Auf Trends achten, nicht nur auf „OK/Fehler“
- Eine Platte kann noch „OK“ melden, obwohl 5, 197 oder 198 langsam steigen.
- Hohe Werte bei 5, 187, 188, 196, 197, 198 = Alarmstufe
- Mindestens Backup checken, meist: Platte bald austauschen.
- Temperatur im Blick behalten (ID 194)
- Ideal: grob 30–40 °C, dauerhaft > 50 °C vermeiden.
- SMART ist nur ein Werkzeug
- Auch eine Platte mit „schönen“ SMART-Werten kann plötzlich sterben – deshalb:
- 👉 immer ein aktuelles Backup haben, vor allem bei einem NAS.
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